Die Welt retten – schon wieder
am 22.11.2009 von Crey um 17:06 Uhr
Ich weiß nicht, wie lange wir schon keinen anderen Menschen mehr gesehen haben. Es muss eine Ewigkeit her sein. Vielleicht eine Woche. Vielleicht aber auch schon zehn Tage. Dazu kommt noch diese Luft hier. Sie ist so verbraucht, warm und es herrscht eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Ungewiss ist das, was noch vor uns liegt. Unsere Mission ist klar. Die Welt retten. Doch es fällt mir immer schwerer mich dafür zu motivieren. Solange habe ich nichts mehr von der Welt, die wir retten sollen, gesehen. Nur dunkle Höhlen. Hin und wieder mal etwas frische Luft, aber je mehr wir uns von der Welt da draußen entfernen, umso lauter werden die Gedanken nach dem „Warum?“.
Ich bewundere sie, die nach diesen ganzen Strapazen immer noch so voller Elan, Hoffnung und Energie sein kann. Ihr muss das alles sehr wichtig sein. Reden tut sie allerdings nicht viel und schon gar nicht über das „Warum?“. Ich habe mich schon längst damit abgefunden. Ich bin einfach nur ihr Helfer, der sie auf ihren Abenteuern begleitet. Ihr in manchen Situationen hilft, bei der Lösung eines Rätsels einen Anstoß gibt. Manchmal spreche ich auch für sie, weil sie die Sprache nicht spricht oder einfach nicht reden will, sich lieber auf ihr bevorstehendes Abenteuer oder Rätsel konzentriert. Ja, so ist sie. Reich, hübsch, intelligent und furchtlos. Das kann ich von mir jetzt nicht behaupten, trotzdem begleite ich sie überall hin. Ihr Auftreten schafft es, dass ich all meine Ängste überwinde und ihr ohne zu fragen folge. Ich würde ihr überall hin folgen.
Nun sind wir aber schon, wie erwähnt, eine Ewigkeit von jeglicher Zivilisation weit entfernt. Ich bekomme Zweifel, ob wir es jemals schaffen werden. Jedes Geräusch versetzt mich in eine Panik, die ich nicht mehr länger ertrage. Zu oft folgten auf Geräusche schon wilde Bestien, tödliche Fallen oder irgendetwas Übernatürliches. Irgendetwas war immer. Und ich habe es so satt. Wir müssten doch langsam mal ankommen.
„Du, sag mal. Was meinst du denn wie lange wir noch brauchen?“
Sie ignoriert mich. Na toll. Ich habe sie ja nicht nach ihrer Telefonnummer gefragt, sondern nur wann wir ankommen.
Das ist eben ihre Strategie, jede Unterhaltung wird sofort im Keim erstickt.
„Halt, nicht bewegen. Hier stimmt etwas nicht!“
Ich bleibe stehen, bewege nichts mehr. Vergesse fast zu atmen. Es ist still. Sehr still. Zu Still.
Sie zieht ihre Waffen und lädt durch. Ich suche nach der besten Möglichkeit mich zu verstecken. Leider ist mein Sichtfeld stark eingeschränkt, da ich es nicht wage meinen Kopf zu bewegen.
Die Situation ist angespannt. Obwohl wir an einer kleinen Lichtung sind, weht kein Wind. Nichts. Kein Geräusch. Keine Bewegung. Hinter uns nur der Tunnel aus dem wir kamen. Vor uns ein weiterer Tunnel. Um uns herum ein Loch in diesem Tunnel, sodass wir den Himmel sehen können. Diese Tunnel, durch die wir schon seit Tagen wandern, sind nicht von der Natur gemacht. Sie wurden von einer Intelligenz erschaffen. Dafür sind sie zu perfekt, zu verwirrend und zu gefährlich. Es war nur lange niemand mehr hier. Die Natur hat sich große Teile dieses Labyrinthes wiedergeholt, was alles noch verwirrender macht.
Vor uns taucht plötzlich ein Lichtstrahl auf. Er beginnt ungefähr in der Mitte, bewegt sich langsam nach links und wandert dann die Wand hoch. Er verschwindet in der Wand. Stark zerstreut und immer noch angespannt, versuche ich noch zu verstehen, was hier gerade passiert ist, da fängt der Tunnel vor uns an sich zu bewegen. Es ist ohrenbetäubend laut, die Erde vibriert unter den Kräften, die auf dem Tunneleingang wirken. Er gewinnt an Höhe. Immer mehr. Felsen lösen sich von dem Gestein, fallen zu Boden, lösen noch mehr Gestein aus der Wand. Ich muss meine rechts Bein nach hinten versetzen, um das Gleichgewicht halten zu können. Ich verstehe immer noch nicht, was da vor sich geht. Vor uns baut sich ein neuer Tunneleingang auf. Mit einer Treppe. Mit einem Ruck ist alles vorbei. Es ist wieder so ruhig wie vorher. Als wäre nie etwas passiert. Ich stehe weiterhin in voller Alarmbereitschaft da.
„Cool, los lass‘ uns weiter“, sagt sie lässig. Sie klopft sich den Staub vom Körper, steckt ihre Waffen wieder ein und geht los.
„Aber…“
Sie dreht sich um, schaut mich an und setzt ihr Lächeln auf, für das selbst ich töten würde.
„Jetzt wird es doch erst richtig spannend.“
Ich speichere ab. Mache die Konsole aus. Klopfe mir meinen imaginären Staub vom Körper. Und gehe duschen.
Wer weiß, welche Abenteuer morgen auf mich warten.
Bild von Priscilla





toll crey, macht richtig spaß! danke dir!
das ende war einfach nur genial!
mach weiter so crey!!!
Großartig, hat Spass gemacht das zu lesen.
Wunderbar, eine sehr schöne gute Nacht Geschichte