Mirror’s Edge Review: I’ve got to have Faith
am 11.01.2009 von Marco um 20:07 Uhr
Ich weiß nicht, wie lange ich Tim_B schon das Review zu Mirrors Edge versprochen habe – lasst es mal Wochen sein. Immer wieder saß ich vor meinem favorisiertem Textbearbeitungsprogramm und fand einfach nicht die richtigen Worte, um dieses Spiel zu beschreiben. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach über tolle Dinge zureden. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mirrors Edge ist gar kein so tolles Spiel, wie ich immer dachte. Es ist gut, keine Frage. Vielleicht sogar sehr gut, aber es ist nicht toll. Mirrors Edge ist ähnlich den ersten Wochen in einer Beziehung. Zu Anfang ist man hin und weg und ignoriert gern die Kleinigkeiten, die einen später auf die Palme bringen werden. Doch später sind genau diese Kleinigkeiten der Trennungsgrund. Aber fangen wir am Anfang an …
Worum geht es eigentlich? – Die Story (nahezu spoilerfrei)
Ihr seid Faith, eine sogenannte Runnerin, die sich mit allerlei akrobatischen Kunststücken einen Weg über die schillernden Häuserdächer einer unbekannten Großstadt bahnt, um heikle Nachrichten zu transportieren. Das ist nämlich nicht mehr so einfach, denn die bösen, ebenfalls namenlosen, Anzugträger kontrollieren jeglichen Informationsaustausch, weswegen die Runner sich dessen annahmen und nun diese Nachrichten überbringen. Zwischen den einzelnen Missionen wird die Story in Form von Cartoons weitergesponnen, die ein bisschen an die Musikvideos der Gorillaz erinnern. Darin erfährt man unter anderem, wie Faith zu ihrem Mentor Mercury kam, warum ihre Eltern starben (Spoiler: bei einer Demo) und welche Verschwörung es aufzudecken gilt. Ihrer Schwester, die nämlich eine staatstreue Polizistin ist, wurde der Mord eines wichtigen Politikers angehangen. Da ist es ja Ehrensache, dass ihr das irgendwie aufklären müsst.
Springen, klettern, schliddern und schön aussehen – Spielerisches
Als ich zu Anfang von dem Spiel hörte, hatte ich arge Befürchtungen, ob es wirklich möglich ist, eine so komplexe Steuerung auf die wenigen Tasten eines Controllers zu verteilen und ich wurde wirklich überrascht, wie einfach und logisch das bewerkstelligt wurde. Es gibt einfach eine Taste für Aktionen nach oben, wo unsere Faith sich dann irgendwo hochzieht, springt oder irgendwo drüberhüpft und eine Taste für Aktionen nach unten, wo sie dann schliddert, kriecht und sich fallen lassen kann. Das ist herrlich einfach und geht einem bald in Fleisch und Blut über.
Grafisch ist das Spiel eine Pracht mit einigen, wenigen Abstrichen. Herausragend finde ich da zum Beispiel, dass sich das Bild teilweise unscharf stellt. Wenn man das Fadenkreuz (welches auch nur ein kleiner, abschaltbarer Punkt ist) über die Wand bewegt, hinter der sich Faith gerade versteckt, wird weiter weg liegendes unscharf. Fährt man mit dem Fadenkreuz nun in den unscharfen Bereich, wird dieser scharf und die Wand büßt ihre Schärfe ein. Das finde ich sehr schön.
Eigentlich als Hilfsmittel gedacht, aber doch viel zu leicht übersehbar, ist die Runnervision, die quasi einen Weg aufzeigt, über den man zum Ziel gelangt. Blöd nur, dass diese Runnervision die Elemente (Kisten, Rohre, Bretter usw), mit denen man interagieren soll rot färbt und sich somit ziemlich gut in das Stadtbild fügt. Also das ist jetzt kein pulsierendes, leuchtendes Rot. Es ist einfach nur Rot.
Apropos Stadtbild. Ich war zwar noch nie dort, aber die Stadt, über dessen Dächer Faith springt, erinnert mich irgendwie an Tokyo oder viel mehr an das Fantasie-Tokyo, dass ich mir in meinem Kopf zurecht gesponnen habe. Alles glänzt, ist schön sauber, hell und sicher. Aber es sieht auch irgendwie alles ziemlich gleich aus. Ein Dach ähnelt extrem dem anderen, vor allem aber auch in dessen Ausstattung. Ich dachte des Öfteren, dass ich schon einmal an diesem Rohr hinaugeklettert oder über jenes über die Dachkannte gelegtes Brett gesprungen bin. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, aber man bekommt dadurch ziemlich schnell eine Ahnung, wo man lang muss, um das Level zu absolvieren.
Ein ganz wichtiges Detail des Spiels ist, dass man es komplett durchspielen kann, ohne auch nur einen Schuss abzufeuern, zumindest abgesehen von einer Stelle, in der das der Story dient. Dafür verfügt Faith über eine Grundausstattung an Martial-Arts-Fähigkeiten, die sie ihre Gegner stilvoll entwaffnen und K.O.-schlagen lässt, wobei sie die Waffe dann selbst in die Hand nimmt und vor der Wahl steht, ob sie ihre Kontrahenten mit genau einem Magazin (Munitionsammeln ist nicht) beharkt, oder das Schießeisen wegwirft und weiter wie Jackie Chan Schläge und Tritte austeilt. Genau das ist auch eines der Dinge, die schnell zur Frustration führen. Man kommt oft in die Situation, in der man mehreren Gegnern gegenübersteht, an die man für Martial Arts aber auch nie nah genug herankommt bzw. für die man nie genug Munition hat. Ein anderes frustauslösendes Element ist, dass man oft nicht genau weiß, wo man lang muss und einfach kühn ins Blaue springt und hofft, schon irgendwo zulanden. So schön, wie die Absturzanimation auch ist, mit der vorbeirauschenden Luft und diesem panikartigen Gefühl, dass sie verursacht, hat man sich aber doch bald daran sattgesehen.
Ich muss aber sagen, dass es schon extrem viel Spaß macht, über die Häuserdächer der unbekannten Großstadt zu springen und dem langen Arm des Gesetzes ein ums andere Mal zu entgehen. Denn neben den spielerischen Eindrücken, die einem wirklich das Gefühl geben in der Rolle Faiths zustecken, wie der beim Rennen vorbeiwehende Wind oder die verschwimmende Sicht, ist es auch gerade der Schwierigkeitsgrad, der einen beim Absolvieren der Levels einen Schuß Glückshormone verpasst. Und darum geht es ja auch irgendwie.
Story durch und nun? – Andere Spielmodi
Da der Storymodus relativ kurz ist, gibt es natürlich auch noch andere Spielmodi, die einen über den Hauptteil des Spiels hinaus noch Freude bereiten können. Zum einen wären da die Speedruns, bei denen man die einzelnen Kapitel so schnell wie möglich absolvieren muss und zum anderen wären da noch die Time Trials, bei denen man sich auf neuen Kursen gegen andere Spieler beweisen muss. Also nicht direkt gegen andere Spieler, eher gegen deren Geister (oder eben gegen den eigenen, wenn man das möchte).
Im Übrigen gibt es auch noch viele schöne freischaltbare Sachen, wie zum Beispiel Konzeptzeichnungen, die Zwischensequenzen und Musik.
Komm zum Punkt, ey – Fazit
Da hat Dice nicht nur zwei völlig neue Dinge in ein Spiel gebracht, sondern auch noch eine ältere Idee wieder aufgewärmt. Die neuen Dinge sind , dass sich das Spiel doch eher um diese neue Trendsportart Parkour dreht und, dass es ein Ego-Shooter ist, der völlig ohne Schießen auskommt. Ich finde das mutig und sehr gut. Die alte, aufgewärmte Sache finde ich aber noch viel besser, als jegliche neue Idee: Und zwar habe ich bei Spielen, die offensichtlich in Level aufgeteilt sind, nur sehr selten ein solches Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes empfunden, wenn ich einen Abschnitt geschafft habe. Das letzte mal war es vielleicht zu Zeiten des Sega Mastersystems, als ich mich Alex The Kidd durch Miracle World prügelte (entschuldigt diesen kurzen sentimentalen Ausrutscher). Bei Mirrors Edge hat man jedenfalls immer den Eindruck, dass man nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl weiterkommt. Höchstwahrscheinlich stimmt das sogar. Aber eben der Schwierigkeitsgrad in Kombination mit den gehäuft auftretenden Frustmomenten, die Jump&Runs von Natur aus schon bieten, machen das Spiel bestenfalls zu einem sehr guten, aber keinem tollen, Spiel. Trotzdem kann ich jedem getrost empfehlen, es sich zumindest mal anzuschauen.
Bilder via mirrorsedge.com & gameslave




Ich bin kein grosser Leser und wenn ich ehrlich bin hat dein “Roman” (nicht negativ gemeint) mich von seiner Länge her erstmal abgeschreckt aber schon nach dem ersten Absatz floss der Text einfach nur noch so runter.
Sehr sehr schön geschrieben meine Erfahrungen mit dem Spiel stimmen voll mit deinen überein
Schönes review, freue mich auf die PC version
gut finde ich, dass das spiel ja wohl gameplay mäßig garnicht soo anspruchslos scheint wie das letzte prince of persia oder assassins creed z.b.
“Das ist herrlich einfach und geht einem bald in Fleisch und Blut über.”
kann ich leider nicht bestätigen, denn faith macht leider zu oft NICHT das was man eigentlich vor hatte, und so landet man mit etwas pech mindestens 20 mal an der selben stelle im abgrund obwohl man weiß was man da zu machen hat…
ausserdem nervt mich persönlich das TEARING gewaltig an dem spiel, man sieht es selbst wenn man sich im kreis dreht in einem fahrstuhl, und der ist ja bekanntlich klein.
ansonsten schöne arbeit!
Sehr schönes Review. Hab bis jetzt nur mal in das Spiel reingesehen, beim Spiel nen moment zugesehen und mal kurz selber angetestet, aber find mich in der Zusammenfassung gleich zuhaus.
Auf jedenfall ist das Spiel schön anzusehen, ob selber gespielt oder zugeschaut. Macht auf jedenfall Spaß.
Tolles Review zu dem tollen Spiel ich meine UNtollen ? Spiel Ou Käi ich habe jetzt einen Eindruck von dem spiel,zwar keinen tollen aber einen guten
Hey, hänge schon seit geraumer Zeit auf diesem Blog fest, aber so ein tolles Review habe ich hier noch nicht gesehen. Thumbs up! Endlich mal was zum lesen, wenn man bedenkt das die Masse gerade Mal Acht Minuten der Internetnutzung mit lesen verbringt
Ehrlich, mehr davon. Aber ich weiss, die Zeit…die Zeit. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?
das spiel hat auf jeden fall was. ich bin, wie ich in letzter zeit mehrfach festgestellt habe, sehr ungeduldig geworden, vor allem im bezug auf spiele. trotzdem ist es in den zahlreich vorhandenen frustmomenten nicht einmal vorgekommen, dass ich gesagt hätte: “ne, jetz mag ich nich mehr!”
spricht auf jeden fall mirror’s edge!
habe eigentlich nur ich das gefühl, dass diese scheiß polizisten in kombination damit, dass faith bereits nach zwei mikrigen treffern das zeitliche segnet, reichlich unfair sind, besonders im späteren spielverlauf?
das hat mich regelmäßig absolut auf die palme gebracht!
Hey, vielen, vielen Dank für eure Kommentare, die ja echt nur positiv sind. So machts doch erst richtig Spaß, auch mal einen längeren Text zu verfassen *g* Und wnen ich sogar jemanden wie BumBumEnte zum Lesen bringe, lohnt sich das ja sogar noch *g*
Salva: Nein, das Gefühl hast nicht nur du *g*
aeon_g: Kommt, versprochen!
HGWonline: Na ja ich meinte auch eher die kleineren Sachen, wie wenn man abwechselnd schnell irgendwo drüber hüpfen, oder irgendwo drunter durchschliddern muss… sowas geht erstaunlich einfach, das hätte ich nicht gedacht. Dass man manche größeren Sprünge aber irgendwie verkackt, das stimmt, da geb ich dir Recht. Das ist mir auch echt zur genüge passiert (die Stelle mit dem Kran zb)
Aber ah, Tearing heisst das… jetzt hab ich einen Namen dafür, danke *gg*
[...] vollständige Review gibt es hier, bei Onipepper. Ich wünsche viel Spaß und danke schonmal fürs Lesen. Mirrors Edge kommt übrigens diesen Monat [...]